Warum meckern Menschen?

Bei immer mehr Mitarbeitern ist das Glas halb leer anstatt halb voll. Sie sind frustriert und ziehen das ganze Team in ihren destruktiven Sog hinein. Solche Mitarbeiter kommen bereits morgens ins Büro und fangen ausgiebig an zu jammern. Grund für das Gejammer kann das Wetter, die Arbeit, die Kollegen, die Kunden uvm. sein. Der Fokus liegt auf dem Negativen, egal, um was es sich handelt. Und natürlich sind sie nie selbst schuld, sondern immer die anderen.

 

Solche Mitarbeiter finden überall das Haar in der Suppe.  Sie legen eine passive Grundhaltung an den Tag und fühlen sich stets als Opfer.  Im Laufe der Zeit kann sich diese Stimmung auf das ganze Team übertragen. Sobald der frustrierte Mitarbeiter das Arbeitsklima und das Team nachhaltig negativ beeinflusst, muss die Führungskraft aktiv werden. Zuallererst, ist herauszufinden, was die Wurzeln des Meckerns sind. Laut Willi Bowen gibt es fünf Gründe, warum Menschen sich beschweren. Zusammengefasst ergeben diese Gründe das Akronym GRIPE, was auf Englisch „meckern“ heißt.

G – Get attention: Aufmerksamkeit bekommen

 

Viele Menschen wollen durch ihr Meckern Aufmerksamkeit. Sie kommen bereits morgens ins Büro und begrüßen Ihre Kollegen mit den Worten:„ Ach, was ist das heute wieder für ein schreckliches Wetter. Ich hatte keinen Schirm dabei und musste den ganzen Weg zum Büro im Regen laufen!“ oder „Oh je, heute wird ein anstrengender Tag.  Schau dir nur mal an, wie viele E-Mails ich bearbeiten muss!“

R – Remove responsibility: Verantwortung entziehen

 

Es gibt zwei Typen von Menschen, die einen fühlen sich für alles verantwortlich und die anderen für gar nichts. Der zweite Typ gibt seine Verantwortung gerne an Dritte ab. „Ich habe dem Kunden den richtigen Termin geschickt, wenn er ihn falsch notiert, kann ich nichts dafür.“ oder „Ich habe alles gemacht, was ich konnte, aber der Kunde ist einfach nie zufrieden.“

I – Inspire envy and brag: Neid kompensieren

 

Wer kennt die Menschen, die sich immer besser darstellen als sie sind? Sie stellen sich über andere, um sich selbst größer zu machen. Neid und Prahlerei gehören zu Ihrem Alltag. Sie haben eine Antenne für Gerüchte und Tratsch. „Hast du schon gehört, dass Willi den Auftrag vermasselt hat? Kein Wunder, er kennt sich in seinem Bereich auch gar nicht aus."

P – Power: Macht und Ansehen bekommen

 

Manche haben das Meckern soweit perfektioniert, dass sie es geschickt und machtvoll einsetzen können. „Im letzten Meeting hat allen unsere neue Idee gefallen, nur Peter war nicht begeistert. Wie siehst du das?" Durch die Unterstützung von anderen bekommen diese Personen Macht.

E – Excuse poor performance: Durch Nörgeln seine Fehler vertuschen

Fehler gehören zum beruflichen Alltag. Sich diese ein zu gestehen fällt vielen jedoch nicht leicht. Oft wird versucht, es anderen unterzuschrieben. „Der Kunde wollte uns von Anfang an nicht buchen. Er hat uns um ein Angebot gebeten, nur um so zu tun, als würden wir eine Chance haben.“ „Ich habe es meiner Kollegin ausführlich erklärt, wenn Sie sich keine Notizen macht, kann ich nichts dafür.“

Negativspirale unterbrechen

 

Frustrierte Mitarbeiter versuchen durch das Meckern ihre Defizite auszugleichen. Diese Defizite können sowohl beruflicher (Druck, hohes Arbeitsaufkommen) als auch privater (geringes Selbstwertgefühl, fehlendes Vertrauen) Natur sein. Wenn sich ein frustrierter Mitarbeiter als pathologischer Nörgler entpuppt und dabei das ganze Team sowie den Arbeitsprozess negativ beeinflusst, spätestens dann muss die Führungskraft einschreiten.

 

Die Führungskraft soll bei einem angemessenen Rahmen, meistens im Vier-Augen-Gespräch, versuchen, die Bedürfnisse und Beweggründe des Meckerns herausfinden. Dabei kann sie folgende Frage stellen:

  • "Ich merke, es stimmt irgendetwas nicht. Belastet Sie gerade etwas?"
  • "Seit Sie diese Aufgabe übernommen haben, sind Sie in meiner Wahrnehmung schlechter gelaunt. Ist das so?"
  • "Was können wir tun? Ich bin gerne bereit, Sie zu unterstützen. Was ich aber nicht möchte, ist, dass Sie weiterhin so unzufrieden sind."

Diese Fragen und eine ordentliche Portion Wertschätzung können die negative Spirale des Mitarbeiters durchbrechen. Dabei darf man aber nicht vergessen "Gut Ding braucht Weile!"

 

Jennifer Berger

Arbeits-, Organisations- & Wirtschaftspsychologin